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Saturday, October 3, 2020

Deutschstunde (2019, Christian Schwochow)

 Am grauen Strand, am grauen Wattenmeer liegt abseits die Polizeistation Rugböll. Dort leistet der Polizist Jens Ole Jepsen Dienst, nein: er tut seine Pflicht. Er hat mit seiner Frau, die ihn mehr fürchtet als liebt, immerhin drei Kinder in die Welt gesetzt. Klaas, der älteste Sohn, ist In Krieg. Hilke, ihre Tochter, ist oft weg. Nur Siggi, der jüngste, ist dem strengen Regiment des Vaters dauernd ausgesetzt. Einziger Lichtpunkt, zugleich Gegenpol zum häuslichen Über-Ich, ist der Maler Max Ludwig Nansen.Dieser, oft wird er auch bloß der Maler genannt, malt Bilder, die dem Regime nicht gefallen. Das Regime hat brschlossen, dass diese Bilder krank sind. Nansen und Jepsen sind langjährige Freunde.  Als Nansen Malverbot erhält, übermittelt der pflichtgetreue Jepsen den Beschluss und überwacht eifrig, ob das Verbot auch eingehalten wird. Siggi ist Nansens Patenkind und gerät so allmählich zwischen die beiden Männer. Der Vater will nämlich, dass er den Maler ausspionieren soll. Siggi gerät in Gewissenskonflikte, die ihn schließlich aufreiben.

Der Stoff ist - leider - immer noch aktuell. Ist Pflicht nur Befehlsausführung? Ist die Eigenverantwortung für Handlungen aufgehoben, wenn sie von einem Befehl gedeckt werden? Diese Diskurse sind nicht nur in der Deutschstunde relevant. Schwochow arbeitet diesen Komplex kompetent ab und bebildert ihn mit düsteren Landschaftsbildern. Viele Einstellungen könnten sind malerisch schön, wie Gemälde eben. 

Vor dieser Kulisse agieren die Darsteller, ohne etwas von ihrem inneren Leben zu offenbaren - das Drehbuch gibt ihnen wenig, mit dem sie arbeiten könnten. Um Siggis Handlungen im letzten Viertel des Film verstehen zu können, muss man sogar den Roman heranziehen. - Es ist indessen, ein feiner Zug, dass der Film auch das offene Ende, den Gang ins Leben, übernimmt. 

Vielleicht will Deutschstunde eine Art Weiterführung von Michael Hanekes Das weiße Band sein. Allerdings: während Hanekes Film weiterhin irritiert und anregt, ist Schwochows Produkt sicherlich gut im Deutsch- und Gemeinschaftskundeunterricht einsetzbar.

6/10



 


Thursday, April 2, 2020

Fritzi - eine Wendewunderrgeschichte (2019, Matthias Bruhn / Ralf Kukula)

Es scheint, dass viele Jugendliche heute nicht mehr wissen, was 1989 vorgefallen. Fall der Mauer in Berlin? War da eine Mauer? Für viele Jugendliche ist Geschichte heute kein Schulfach mehr. Kein Wunder, dass wir eine Generation Doof haben.
Diese Wendewundergeschichte ist kindlich und niedlich aufgemacht. Fritzi lebt in Leipzig. Im Sommer 1989 kehrt ihre beste Freundin nicht mehr aus dem Urlaub in Ungarn zurück: sie ist mit ihren Eltern nach Westdeutschland geflüchtet. Langsam beginnt sie, sich für ihre Umwelt zu interessieren. Ihr wird klar, dass etwas faul ist im Arbeiter-und Bauernstaat. Benni, ein Non-Konformist, hilft auf dem Weg der Erkenntnis.
Dies ist ein Kinderfilm. Es wird sofort deutlich, wer gut und böse ist. Die Geschichte der beiden Freundinnen wird in den zeitgenössischen Kontext eingebaut. Der Film ruft direkt nach einer didaktischen Aufbereitung in der Klasse. Ich meine, dies ist ein gelungener Kinderfilm. Die Handlung ist ansprechend. Es kann allerdings sein, dass sich Fritzi nicht gegen die mächtige Anleime-Konkurrenz behaupten kann. Es wäre schade.
8/10
Großen Dank an das Filmfestival in Aubagne, das diesen Film zugänglich gemacht hat.

Friday, April 19, 2019

Werk ohne Autor (2018, Florian Henckel von Donnersmarck)

Donnersmarcks zweiter deutschsprachiger Spielfilm wurde mit großer Spannung erwartet. 13 Minuten standing ovation wurden nach der Erstaufführung gemeldet. Nach dem misslungenen Ausflug nach Hollywood kehrt Donnersmarck nun zur deutschen Geschichte zurück.
Nie wegsehen! Das sind die letzten Worte, die Tante Elisabeth dem jungen Kurt zuruft, bevor sie von den Nazis in die Psychiatrie verschleppt und dort schließlich "von ihrem Leiden erlöst wird". Kurt Banert ist als ein begabter Maler und sieht genau hin, zum Beispiel auf die Brüste seiner Tante, die er bereits auswendig nachmalen kann. Nach dem Krieg wird er zunächst Schildermaler, dann aber auf die Akademie geschickt. Dort ist der Sozialistische Realismus die einzige Richtung. Alles, was den Arbeitern dient, wird gemalt. Kurt hat allerdings eine selbständige Stimme. Er verliebt sich in Elisabeth, die frappant seiner ermordeten Tante ähnelt. Kurt weiß jedoch nicht, dass Elisabeths Vater Arzt bei der SS war und seine geliebte Tante in den Tod geschickt hat. Im dritten Akt haben Kurt, Elisabeth und ihre Eltern der DDR den Rücken gekehrt. Kurt findet endlich im kapitalistischen Realismus seine eigene Stimme.
Der Plot lehnt sich an das Leben Gerhard Richters an. Der "unwahrscheinliche Zufall", dass Elisabeths Vater den Tod der Tante zu verantworten ist ist ein nachweisbares biografisches Detail. Das Leben schreibt eben doch die besten Melodramen.
Schon beim kleinen Kurt wird eine erotische Obsession für seine Tante vermutet. Vieles wird mit dem männlichen Blick betrachtet. Immer wieder wieder findet Donnersmarck einen Vorwand, dass sich Elisabeth (Paula Beer - kompetent) ausziehen muss, aber ansonsten erfahren wir nicht so viel über ihr Leben, außer, dass sie zu Hause ist, wenn ihr Mann denn endlich aus dem Atelier zurückkehrt und dass sie sich dann im Bett umherwälzen. Was sie sonst noch an Gemeinsamkeiten haben, erfahren wir nicht.
3 Stunden für gut 30 Jahre deutsche Geschichte ist nicht viel. Zweimal erleben wir Geschichte im Zeitraffer. In einer Art Videoclip wird Dresden bombardiert, wird die Tante in die Gaskammer geführt und sterben ihre Brüder im Krieg. Und das wird auch noch mit süsslicher Händel-Musik unterlegt. Eigentlich müsste man einen Regisseur, der solche Montagen dem Publikum zumutet, verachten.
Dabei ist alles in diesem Film eigentlich groß gedacht. Die Wucht des Materials wälzt den überrollt den Zuschauer, sodass man erst im Rückblick merkt, wie wenig Substanz dieser Film eigentlich hat. Im Zentrum stehen Kurt (Tom Schilling - vom Drehbuch eher unterfordert) und sein diabolischer Schwiegervater (Sebastian Koch). Donnersmarck hat wohl seinem Plot nicht getraut, denn  zu oft ist die Handlung mit Musik zugekleistert.
Donnersmarck will ein komplexes Kunst- und Historiendrama vorlegen. Vor allem die Genese des Künstlers in Westdeutschland ist wenig überzeugend, jedenfalls so nicht nachvollziehbar.
Fazit: großes Kino, doch zu viel Schwachstellen. Mehr Hollywood als Arthouse.
5/10

Tuesday, April 9, 2019

Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm (2018, Joachim Lang)

Jeder weiß,wer Mackie Messer ist. Und jeder kennt den Satz, dass erst das Fressen und dann die Moral kommt. Die Dreigroschenoper ist mithin eines der bekanntesten deutschen Theaterstücke überhaupt. Auf diesen Erfolg anknüpfend wollten Nero-Film und andere Produktionsgesellschaften aus dem Stück einen Film machen. Doch ging ihre Rechnung nicht auf, denn Brecht verschärfte die antikapitalistische Tendenz seines Stückes noch einmal. Die Produzenten schlossen danach Brecht von der Produktion aus.
Joachim Lang hat einen Film über einen Film gemacht. Alles, was Brecht hier sagt ist nachweisbares Zitat. Selbst ein charismatischer Schauspieler wie Lars Eidinger kann nicht immer vermeiden, dass die stets druckreifen Sentenzen doch eben papieren wirken. Schade, eigentlich. Wo bleibt Brecht, der Mensch?
 Joachim Lang, der auch das Drehbuch schrieb weiß zweifelsohne viel, vielleicht sogar alles über Brecht, hat aber das Problem, dieses pralle Wissen zu einer Handlung umzusetzen. Wer von uns hat gerade die Einzelheiten der Dreigroschenoper im Kopf? Deshalb hat das Drehbuch das Problem, dass die Radikalität von Brechts Konzeption eben nur behauptet, aber nicht gezeigt wird. Was wir sehen ist eine plüschige Aufführung, die mehr an Babylon Berlin denn an Brecht denken lässt.
Diese Ebene wird immer wieder durchbrochen, teils durch Einwände der Produzenten, teils durch Spielszenen aus Brechts Biographie (auch diese scheint als bekannt vorausgesetzt zu werden), teils durch Einbeziehung des zeitgenössischen Hintergrunds, vor allem das Aufkommen der Nazis. Irgendwann wird es dann zu viel: der Film ist überfrachtet. Die Szenen aus dem imaginären Film werden vom Ensemble mit großer Hingabe und darstellerischer Freude dargeboten und machen diesen Film dann doch noch sehenswert. Jedoch, das andauernde Auf- und Abbrechen überlasten den Film ohne Not.
Joachim Lang möchte auch, dass wir begreifen, wie aktuell die Botschaft Brechts noch ist. Als Wegelagerer erkannten, dass ihr Berufszweig nicht mehr zeitgemäß war, wurden sie Banker. Das Schlussbild führt uns dann in die Finanzkrise, den käuflichen Politikern und Gerichten und - ach, lass stecken, wir haben es begriffen.
Dies ist ein Film für den Leistungskurs Deutsch. Man nimmt Brechts Stück, seine Aufzeichnungen zum Film, sieht dann Pabsts Film von 1931 und fragt, was der Dichter uns sagen wollte. Lang tut es auch.
4/10

Sunday, November 11, 2018

Kaddisch für einen Freund (2012, Leo Khasin)

Ein schönes multikulturelles Märchen: Es war einmal eine palästinensische Flüchtlingsfamilie aus dem Libanon. Die waren zwar nicht als Flüchtlinge anerkannt, aber ihnen wurde immerhin eine Wohnung in Hohenschönhausen bei Berlin zugewiesen. In dieser Wohnung tröpfelte es aber von oben herab und es zeigte sich, dass ein Jude mit einer kaputten Waschmaschine über ihnen wohnte. Die Palästinenser hassten "die Juden" und somit auch Alexander Zamskoy über ihnen.
Ali, der Spross der Familie, hängt mit der Clique am Mehringplatz. Sie beschließen, sich für irgendwelche Gräueltaten irgendwelcher Juden, die irgendwann einmal an ihnen begangen worden sein sollen, an gerade diesem Juden zu rächen. Sie demolieren dessen Wohnung und hinterlassen den Gruß "Jude = Nazi".
Zamskoy erkennt Ali und erstattet Anzeige. Eine Verurteilung könnte die Abschiebung von Alis Familie bewirken, deshalb versuchen sie, Zamskoy dazu zu bewege, die Anzeige zurückzuziehen. Zamskoy ist nun nicht besonders gut auf "die Terroristen" zu sprechen. Er verlangt eine Komplettrenovierung seiner Wohnung. Zamskoy seinerseits hat anderen Ärger mit den Behörden: sie möchten ihn gerne in ein Altersheim einweisen, denn sie meinen, er könne nicht für sich selber sorgen.
Dieser Film spielt in Deutschland, jedoch die einzige Deutschen, die uns in diesem Film begegnen sind von irgendwelchen Ämtern. Die Beamten treten entweder fürsorglich oder besserwisserisch auf. Zamskoy soll, weil es besser für ihn sein soll, in ein Altersheim überführt werden. Der Staat weiß am besten, was für die Bürger am besten ist. Alis Mutter ist mal wieder schwanger und die Eltern sorgen sich darum, wie sie wohl das Geld für Windeln und was sonst noch an Kosten anfällt aufbringen könen. Hier werden sie jedoch von einem (arabischen) Sachbearbeiter beruhigt: der Staat werde das bezahlen. Der Staat in Form der arbeitenden Steuerzahler. Der Staat ist aber auch der eifrige Staatsanwalt, der den rassistischen Überfall weiter verfolgen will, obgleich das Opfer von der Strafverfolgung absehen will. Und am gegenwärtigsten natürlich als Bullen.
Gekünstelt wirkt auch, dass Zamskoy und Alis Eltern dieselben grammatischen Fehler machen. Beide können die Verbpositionen in Haupt- und Nebensätzen nicht steuern. Das soll gebrochenes Deutsch sein, ist aber irritierend und schließlich lächerlich.
Kaddisch für einen Freund ist ein gut gemeintes, dann aber doch an der Wirklichkeit vorbeigehendes erbauliches Drama. Es wollte soviel und plumpst dann dumpf auf den Boden.
4/10

Monday, August 13, 2018

Roman einer jungen Ehe (1952, Kurt Maetzig)

Wenn es auch nach dem Ende der DDR Vorbehaltsfilme gegeben hätte, könnte dieser Film einer werden. "Wie soll man bloß Stalin danken?", fragt sich Agnes Sailer, die Hauptperson dieses Streifens. Kurz nach dem Krieg war sie aus dem zerbombten Dresden in das ebenso zerbombte Berlin bekommen. Ihre Mutter hatte ihr gute Referenzen mitgegeben und hangelte sie sich im demokratischen Sektor nach oben. Ihr Pech war allerdings, dass sie sich in Jochen Larsten, einem Star des Westend-Theaters verliebte. So etwas kommt bei den Genossen nicht gut an und so dauert es denn auch nicht lange bis ihre vorbehaltlose Hingabe an die Parteilinie in Zweifel gezogen wird. Zwar ist Jochen im Grunde genommen ein guter Kerl, aber ersieht sich Zwängen im Westen ausgesetzt. Nur mit großem Widerwillen zieht er eine Nazi-Uniform in Des Teufels General an. Agnes wird eine Karriere im Westen angeboten, sie findet aber, dass Die schmutzigen Hände nicht ihren ethischen Ansprüchen genügen. Dann wird auch noch "Viktor Hartmann", der Regisseur von Jud Süß rehabilitiert. In der zerrissenen Stadt Berlin hält auch die Ehe der beiden Protagonisten nicht. Doch einmal sieht Jochen ein, dass die Zukunft im Osten liegt. Der Roman einer jungen Ehe kann fortgesetzt werden.
Es scheint, dass sogar dem Osten dies Propaganda-Spektakel zuviel war. Es besteht denn auch nur ein gradueller Unterschied. Zehn Jahre früher hätte man wohl "Sieg Heil" gerufen und nun ist es "Stalin Pieck".
4/10

Wednesday, February 28, 2018

Palermo oder Wolfsburg (Werner Schroeter, 1980)

Werner Schroeters beinah drei Stunden dauernder Film hat drei Akte und eine deutliche Absicht. Wenn man sie merkt, wird man verstimmt.
Der erste Akt spielt auf Sizilien. Das Dorf, in dem Nicola lebt, ist von schrulligen, aber liebenswerten Typen bevölkert. Sie singen innig, wenn auch ohne Talent, Arien von Bellini und Pacini. Ja, es herrscht Elend, aber es ist gewissermaßen eine malerische Armut. Ja, es gibt auch patriarchalische Strukturen, selbst Ausbeutung, doch alles wird lieblich vom Meer umspült und von der strahlenden Sonne des Südens bescheint. Nicola hat von Deutschland gehört und den Möglichkeiten, die sich den Tüchtigen dort bieten. Er trifft eine wichtige Entscheidung: er will sein Glück in Deutschland versuchen.
Im zweiten Akt trifft Nicola in Deutschland ein. Seine erste Begegnung mit einem Deutschen verläuft schroff. Ein Bahnbeamter weist ihn zurecht: "das Überschreiten" der Gleise sei verboten. Nicola versteht es nicht, er hat überhaupt Probleme, sich die deutsche deutsche Sprache anzueignen. Sein Kontakt ist mit einer Deutschen verheiratet, einem mannhaften Weib mit der Hoheit über die Wohnung. Nicola wird ein Sofa verwehrt. Auch dass der Verwandte ihm noch 20 Mark mitgibt, wird als nicht erforderliche Verschwendung angesehen. Bald trifft Nicola ein deutsches Mädchen und eine Gastwirtin aus seinem Heimatland. Die Italienerin hilft ihm, sich zurechtzufinden, das Mädchen benutzt ihn, um ihre Freunde aufzustacheln. Nicola, der naive Bube aus dem Süden, hält sie für seine Freundin, gibt in einem Brief in die Heimat an, sie sei seine Freundin. Die Taktik des Mädchens Brigitte ist erfolgreich. Nach einem Talentwettbewerb ersticht Nicola seine Nebenbuhler.
Der dritte Akt findet im Gericht statt. Der Prozess wird als sprachliche Parodie juristischer Sprachverwendung aufgezogen und hat manche surrealistische Komponenten. Anstatt Opfer wird von den "zukünftigen Toten" gesprochen. Das Opfer ist - scheint es - Nicola, der sich nicht bewusst ist, eine kriminelle Handlung begangen zu haben. In seinem Heimatland hat man eben immer ein Messer dabei. Heute würde man das Wort "multikulturell" in die Debatte werfen.
Schroeters Film gilt als Klassiker, ist aber bereits veraltet. Die Deutschen werden durchgehend als hochmütige Stinkstiefel mit rassistischen Anschauungen gezeigt. Differenzierungen finden nicht statt. Wenn man im dunklen Deutschland dann doch mal singt, dann den Schlager "Zwei kleine Italiener", der beinah zur rassistischen Hymne stilisiert wird.
Ich möchte gerne mehr deutsche Filme sehen, doch warum müssen sie entweder belanglos oder so entsetzlich langweilig sein.
4/10

Tuesday, December 26, 2017

Fack ju Göthe 3 (2017, Bora Dagtekin)

Der erste Teil hatte eine freche Frische. Die Lümmel von der letzten Bank sind Generation Doof geworden. Der zweite Teil wiederholte zwar die meisten Gags, brachte dann aber duch die Verlegung nach Thailand etwas Neues. Und hat es Herr Müllers "Arschloch-Klasse" bis zum Abitur geschafft. Sie haben es auch geschafft stets bildungsferner zu werden. Immerhin schafft es einer der Helleren noch, die Bedeutung des englischen Wortes "dog" zu googeln. Bildung im 21. Jahrhundert.
Und was fü ein Signal dann auch wieder: Zeki Müller als untypischer Quereinsteiger bringt seiner Klasse eben das bei, was er weiß: Nichts. Und das reicht dann immerhin noch für einen  Notendurchschnitt von 3,9.
Schantalle und Kompagnie brauchen somit nicht wie noch extremere Loser als Altenpfleger oder Angestellte im Klärwerk arbeiten. Es reicht immerhin zum Volontariat bei Cosmopolitan.
Schade, dass das Manuskript auf dem bewährten Gleis fährt und die bewährten Jokes auslutscht.
4/10


Sunday, November 26, 2017

Ostfriesich für Anfänger (2016, Gregory Kirchhoff)

Ein Mann namens Uwe
Griesgrämige alte Männer gibt es nicht nur in Schweden, sondern auch in Ostfriesland. So wie Ove hat auch Uwe seine Probleme mit den Behörden. Dazu mag auch beitragen, dass er offensichtlich die Kommunikation verweigert, sodass sein Anwesen schließlich von der Kommune eingezogen wurde.  Außerdem jobbt der Alte auf einer Tankstelle, wobei er durchaus eigenwillige Vorstellungen davon hat, wie diese Tätigkeit ausgeführt werden soll. Uwe will sich von niemandem in seine Lebensführung reinreden lassen, wobei sein brüskes Wesen eher hinderlich ist. Und aufgepasst: jetzt wird es lustig. Die Stadtverwaltung hat sich Fördermittel an Land gezogen und will auf Uwes vormaligem Anwesen ein Zentrum für integrationswillige ausländische Facharbeiter einrichten. Man verfällt auf den Gedanken, dass Uwe de Utländers unterrichten soll.
Selbstredend ist der brummige Alte dieser Aufgabe nicht gewachsen. Schließlich bringt er ihnen aber die einzige Sprache bei,die er beherrscht: Ostfriesisch. Wat mutt, dat mutt.
Und jetzt wird es schon wieder lustig, denn Abdullah, Swetlana, Feelgood, Carls und Lientang sprechen auf einmal Friesisch, in der Annahme, dies sei Deutsch,
Ja gut, diese Komödie wurde nicht von der AfD produziert, sodass Uwe seinerseits einen Lernprozess durchlaufen darf. Er lernt nämlich, dass sich unter der andersfarbigen Haut auch Menschen befinden. Und wir lernen, dass sich unter Uwes vergrämter weißer Haut ein vereinsamtes, aber liebenswerten Wesen verbirgt. Und werden dank Bauernschläue und interkultureller Kommunikation letztendlich alle noch auf ihre Fasson glücklich.
Man sehe diese Komödie am besten leicht angetrunken, um mild um die klischeehaften Darstellungen und Plotschwächen hinweg zu sehen. De Utländers sind flache Karikaturen ohne Hintergrund. Die Bürohengste und die mannstollen Bürokratinnen aus der Verwaltung sind auch irgendeiner Jauchegrube für vergärende Witze entsteigen. Zweifelsohne bedienen die Klischees die Vorurteile eines gewisssen Publikums. Wenn sich dieses Publikum die Feelgood-Botschaft zu Herzen nähme, dann wäre dieser Film nicht völlig vergeblich gewesen.
4/10


Friday, September 29, 2017

Jugend ohne Gott (2017, Alain Gsponer)

Und ein Film ohne Ödön von Horváth, denn mit dem Buch dieses Autors hat der Film fast nur den Titel gemeinsam. Die aktuelle Gefahr wurde aktualisiert. Nun wird nicht die Geist- und Gottlosigkeit des Nazismus kritisiert, sondern es stehen die Auswüchse der Leistungsgesellschaft in der Kritik. Die erfolgreichsten Leistungsträger, so die Botschaft, erzielen ihre Erfolge auf dem Rücken der Leistungsschwachen., die dann ausgegrenzt werden. Eine Gesellschaft nach den Prinzipien des Neodarwinismus kennt eben nur die Eliteförderung. Das Schwache und das Gesellschaft nicht Zuträgliche wird in die Ransbezirke abgeschoben.
Der Kampf ums Umsteigen wird in diesem Film wie Hunger Games inszeniert. Der Skrupelloseste tritt am ehesten auf die Schwachen und wird dann Jahrgangsbester.
In diesem Film ist es der Protagonist Zach, dem Zweifel an der Einrichtung dieser Gesellschaft kommen. Ihm schwebt eine Solidargemeinschaft vor, in der die Förderung der Minderbegabten nicht nur Lippenbekenntnis, sondern Realität ist. Zachs Vater ist vor nicht so langer Zeit durch eigene Hand aus dem Leben geschieden (die Gründe werden nicht verraten, aber vielleicht war er auch einer derjenigen, die das Leistungssoll nicht erfüllen konnten. In einem Tagebuch hält Zach seine Gedanken fest, ansonsten ist Privatreflexion eher unerwünscht.
Die Besten einer Gruppe werden in einem Camp in den Bergen ermittelt. Dabei trifft Zach auf die "Illegale" Ewa. Wie üblich in solchen Dystopien wohnen sie im Wald. Liebe keimt auf - und eines Tages ist eine der Teilnehmerinnen tot.
Die Umstände des Todes werden in Rückblenden aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei allerdings nicht die Gelegenheit genutzt wird, den neuen Perspektiven mehr Tiefe zu geben.
Am Ende gibt es einem kleinen Hoffnungsschimmer, aber der ist mehr Hoffnungs als Versprechen. Dieser Film ist ein Drama für Jugendliche, wobei man schon merkt, was später in der AG Ethik noch diskutiert werden muss. Die einzelnen Protagonisten bleiben Thesen und werden nicht zu Personen.
5/10





Sunday, September 3, 2017

Lotte (2016, Julius Schultheiß)

This film was shown here in connection with the German Film Days last year. It was premieerd at the Berlin Festival, so there is enough reason to be interested in it.
Julius Schultheiß financed it independently through crowd funding, so enough people must have believed in the potentialities of this plot.So did main actress Karin Hanczewski who agreed to be paid from the revenue of the film.
Lotte is about a woman in her thirties. She is living on the fast lane. She is fun-loving, but also shunning responsibility. This contrasts with her job as nurse. At work she meets one day a young woman and she realizes slowly that Greta is her daughter. This time it will not be possible to run away, especially since Greta wants contact with her mother. At the end we also get some sort of explanation why Lotte has been on the run most of her life.
Lotte is a very different woman, rejecting the role women are traditionally assigned. There is something refreshing about this portrait.
7/10 



Saturday, April 30, 2016

Werner - Beinhart! (1990, Niki List, Gerhard Hahn, Michael Schaack)

Mein Blog verwaist hin und wieder, was auch daran liegen mag, dass ich so selten etwas sehe, dass mich wirklich fasziniert und dann in die Tasten greifen lässt. Allerdings sehe ich auch selten solche Machwerke wie dieses. War es wirklich erforderlich, drei Regisseure für diesen Mist zu bemühen? Und können drei Regisseure wirklich nichts Besseres zustande bringen?
Ich habe von Werner als Kult-Comix gehört, ihn aber wohl nie gelesen. Nur deshalb bin ich auf die Idee gekommen, diesen Film sehen zu wollen. Ich dachte, es hätte wenigstens amüsant seine können. Werch ein Illtum.
Es geht darum, dass der Zeichner Brösel einen Film mit seiner Figur Werner zeichnen soll. Dabei geht immer etwas schief. Mal werden dei Zeichnungen nach Sibirien geschickt, dann  greift auch mal Rumpelstilzchen ein und zum Schluß wird der Film dann vorgeführt als prollige Belustigung.
Nun ja: es muss ja nicht so weichgespült sein wie bei Disney, vielleicht auch nicht so ästhetisch wie bei Miyazaki, aber eine Prise mehr Gehalt und Geschmack hätte nicht schaden können. Nun bewegen sich alle Gags in und um den Fäkalbreich. Hätte ich damals schon gewusst, dass ein Film dieser Serie Gekotzt wird später heißt, hätte ich mir diesen auch gespart. Das Leben ist nicht lang genug für analfixierten Verklemungen.
1/10
Voll bematscht, dieser Humor

2001 - nicht edles Sci-Fi, sondern auf Proll plattgewalzt; margeritas ante porcos

Ja, Pimmelnasen


Meister Röhrig puhlt in den Hinterlassenschaften seiner Kundin

Wieder mal im "Waschraum"

Sunday, January 10, 2016

Feuchtgebiete (2013, David F. Wnendt)

Dies ist ein widerlicher Film nach einem (wahrscheinlich) widerlichem Buch. Ja doch, es war ein Erfolg und hat der Autorin zu Ruhm und Reichtum verholfen. Braucht man Geld, schreibt man irgendwelchen provokanten Schund und schon füllt sich das Konto. Die Strategie zieht immer, egal ob es Fanny Hill oder andere Schattierungen von öden Trübseligkeiten handelt.
Ich habe das Buch nicht gelesen, werde es auch nicht tun. Eigentlich ist auch das Leben zu kurz, um sich solche Filme anzutun, aber auch mich treibt die Neugierde gelegentlich dazu, auch solche Produktionen zu sehen.
Das Beste an diesem Film ist die großartige Carla Juri. Sie macht die unausstehliche Hauptperson dieses Films wenigstens halbwegs erträglich. Sie ist verhaltensauffällig und liebt vulgäre Äußerungen. Zuweilen kann sie sich aber auch anderes als den Unterleib thematisieren, etwa wenn sie dem Vater vorschlägt, sie könne schon mal mit der Trauerarbeit beginnen,damit der Schock bei seinem tatsächlichen Ableben nicht so groß wird. Hätte sie nur Provokationen dieser Art, würde sie es kaum in die Bestsellerlisten geschafft haben. Ja doch, sex sells.)
So werden denn also Feuchtgebiete der Anatomie und deren Aussonderungen mit Genuss umgegraben. Vielleicht ist dieser Film für pubertierende Mädchen interessant - ich hätte ihn entbehren können.
3/10

Thursday, December 24, 2015

Robert und Bertram (1939, Hans H. Zerlett)

Es ist immer noch das Jahr 2015, eine Woche noch. Und das 21. Jahrhundert ist bislang beinah wie im Flug an mir vorübergezogen. Im 21. Jahrhundert herrscht immer noch fast unbegrenzter Zugang zur Information. Es ist nunmehr gleichgültig, ob wir in der Nähe eines großartigen Archivs leben oder nicht. Das Internetz ist Klassenzimmer, Hör- und Lesesaal und auch Kino.
Das Konzept "Vorbehaltsfilm" wirkt in diesem Sinn als nicht nur unzeitgemäß, sondern auch sinnlos. Ich hatte eher in diesem Jahr die Schlagerklamotte gleichen Namens mit Willy Millowitsch und Vico Toriani gesehen und dabei habe ich gesehen, dass dies auch ein Nazifilm ist, ein antisemitisches Machwerk aus dem Jahre 1939. Ich hatte auch gelesen, dass dieser Film unter Verschluss gehalten wird und öfentlich nicht aufgeführt werden darf. Wie gesagt, eine sinnlose Maßnahme, denn dieser Film ist auf Youtube sowieso zugänglich.
Was ist also los mit diesem Film? Ist es ein subtiles Hetzstück oder sinnfreie Unterhaltung?
Zunächst: die Vorlage ist eine "Posse mit Gesängen und Tänzen in vier Abtheilungen" von Gustav Räder. Auch dieses Stück ist zugänglich, danke Google Books! Vor 20 Jahren wären diese "gesammelten komischen Theaterstücke" sicherlich nur vor Ort an einer großen Bibliothek zugänglich gewesen, aber in diesen Zeit ist es egal, wo man wohnt. Ich habe das Stück durchgeblättert, denn ich wollte wissen, ob das antisemitische bereits im Original vorhanden ist. Ja, ist es. Bei Räder ist Ipelmeyer ein ungebildeter Emporkömmling, etwa wie in Jacques Offenbachs Operette Monsieur Choufleuri restera chez lui. Es wäre vielleicht aufschlußreich zu wissen, wie dies von den Zeitgenossen rezipiert wurde. War der neureiche Jude ein Klischee in der volkstümlichen Literatur? Ob es wohl bereits eine solche Untersuchung gibt?
Nun ja, zurück zum Nazi-Lustspiel, dem einzigen antisemitischen Lustspiel aus der Zeit des NS-Regimes. Im Jahr 1939 war die jüdische Bevölkerung weitgehend ausgegrenzt, von der Ideologie erfolgreich als der Andere stilisiert worden, als Blutaussauger am Volkskörper. Dies war dem Zeit- und Volksgenossen seit 1933 eingeimpft worden. Das Manuskript braucht also dieses Klischee nicht weiter zu verbalisieren, da es sich als allgemein bekannt vorausgesetzt werden kann. Die Kristallnacht hatte sich vor weniger als einem Jahr nach der Erstaufführung dieses Films zugetragen. Ich denke, was uns heute als belanglos erscheint, muss dem damals zeitgenössischen Publikum als Affirmation vorgekommen sein. Vermutlich hat der Film damals eine eingehendere Wirkung gehabt, eben weil er sich als harmloses Lustspiel ohne Agitation gibt.
Allerdings ist Robert und Bertram auch ambivalent, denn die lustigen Vagabunden, sind arbeitsscheues Gesindel, kaum positive Helden der Nazi-Ideologie. Während sie hier entfliehen und schließlich an der Himmelspforte anklopfen, da ihnen auf Erden sowieso keine Gerechtigkeit widerfahren kann, werden sie bei Räder verhaftet und unter Jubel des Volkes abgeführt. Sie werden in diesem Film also nicht dem RAD zugeführt, sondern entziehen sich der Einverleibung in den gesunden Volkskörper. Wie ist nun das zu verstehen? Die Vagabunden sind eine Art Till Eulenspiegel, die durch Narreteien die Ordnung in Frage stellen, aber nie grundsätzlich ändern wollen, hier und da pieksen und als Hofnarren ein Ventil zum Luftablassen sind. Es ist auch erstaunlich, dass dem Juden Ipelmeyer sein widerrechtlich erschlichener Schmuck wieder ersetzt wird. Nicht wie bei Wagner "was ein Dieb stahl, das stiehlst du dem Dieb", sondern eine Wiederherstellung des status quo ante, wobei bloß das Schicksal so korrigiert wird, das ein Happy End möglich ist: Lenchen (bei Räder Rösel) kriegt ihren (deutschen) Michel - also auch hier ein Rückzug ins Private, keine innere Emigration, sondern ein possenhafter Rückblick, wie es denn vor hundert war.
Der einzige Zeitpunkt ist sehr indirekt: beim Durchblättern eine Zeitung wundern sich die beiden Vagabunden über die Zustände in der Welt des Jahres 1839 und stellen dann fest, dass in hundert Jahren alles ganz anders sein wird. In der Tat.
Natürlich dient der Film auf seine Weise der NS-Propaganda. Ich kann mir allerdings nur schwer vorstellen, dass er heute immer noch seine giftige Wirkung entfalten kann. Einige Dialoge sind nett, nicht geschliffen, aber doch hübsch. Als Film funktioniert ist er robustes Handwerk, nicht subtil, aber dann doch nett gemacht.
4/10

Tuesday, October 20, 2015

Die Welle (2008, Dennis Gansel)

Habe ich diesen Film schon einmal gesehen oder bloß schon soviel gehört, dass ich glaube ihn gesehen zu haben? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls jetzt habe ich ihn gesehen und dabei oft dieses Déjà-Vu-Vernehmen gehabt.
Ja, wir wissen es mittlerweile: wir alle haben das Potenzial zu Anbetern einer Autorität zu werden in uns. Sich einzureihen und der Gemeinschaft zu folgen, ist so leicht. Mit ruhig festem Schritt und links zweii drei. Wie das geht, wird plausibel in diesem Film vorgeführt: einfache Botschaften, das Gefühl zu einer Elite zu gehören, Riten und Routinen zu haben - und vor allem einen leicht identifizierbaren und à la longue auszurottenden Feind.
Projektwoche. Thema ist Autokratie. Während einer Diskussion wird behauptet, es könne in Deutschland nicht mehr zu einer Diktatur kommen, man sei ja aufgeklärt. Der Lehrer - hervorragend dämonisch von Jürgen Vogel dargestellt - kommt nun auf den Gedanken, diese Behauptung nachzuprüfen. Er führt allmählich Disziplin und Ordnung ein. Dabei kommt ihm zugute, dass er Autorität ausstrahlt. Einmal auf der schiefen Ebene legen die Schüler allmählich ihren kritischen Verstand: Eigenverantwortung und Selbständigkeit wird der Gruppendynamik geopfert. Es sieht auch so aus, als ob der Lehrer es genießen würde, von seinen Schülern geliebt, ja angehimmelt zu werden.
Wie bei diesen Experimenten üblich, droht das Konzept aus den Fugen zu geraten. Der Lehrer kann am Ende wie der Zauberlehrling nicht mehr die Kräfte bändigen, die er hervorgerufen hat. Vor allem aber nimmt er einem Außenseiter, der in diesem Experiment plötzlich seinen Lebensinhalt fand.
8/10








Saturday, September 5, 2015

Westwind (2011, Robert Thalheim)

Ich wohne also nicht mehr in Deutschland und deshalb ist es nicht immer leicht herauszufinden, was ein Kinofilm und was "bloß" Fernsehfilm war. Dieser lief also in den Kinos und deshalb will ich ihn hier erwähnen.
Dies ist ein eindringlicher Film, weil er von Politik und der deutschen Teilung handelt ohne politisch zu sein. Das Drama spielt ausschließlich auf der persönlichen Ebene.
Doreen und Isabel sind Spitzensportlerinnen der DDR, Arne und Nico Touristen aus dem Westen. Sie sind einfach nur sie selbst und nicht Vertreter eines Blocks. Sie begegnen einander auf menschlicher Ebene, auf gleicher Aughenhöhe. Das muß diesen Film auch für Jugendliche attraktiv machen, die diese Zeit aktiv nicht mehr miterlebt haben.
Gelungene Vergegenwärtigung der deutschen Geschichte.
8/10
Unautorisierte Westkontakte von Spitzensportlerinnen sind unerwünscht
Spitzelsystem in Funktion - so perfekt wie die Wärter es wünschen

Wednesday, August 19, 2015

Frau fährt, Mann schläft (2004, Rudolf Thome)

Das ist nun schon der dritte Film über Beziehungskrisen älterer Paare. Was ist das denn für ein Sommer? Sind jetzt sämtlicher Konstellationen durchgespielt?
Dieses Mal befinden wir uns wieder im Intellektuellen-Milieu. Hier trete Personen auf die Prof. Anton Bogenbauer oder Dr. Sue Süßmilch heißen. Sie und ihre Kinder treten in einer Talkshow als glücklichste Familie Deutschlands auf. Aber die Dinge sind im Fluß; sie beziehen alle zusammen ein neues Domizil, das nie so richtig Heim wird. Brüche werden sichtbar. Das angebliche Glück ist ein Lügengeflecht. Der Professor hat ein Verhältnis mit einer Studentin, die Mutter hält sich auch einen Liebhaber. Sohn Thomas ist gerade von seine Freundin sitzen gelassen worden.
Eines Abends finden die Eltern einen Abschiedsbrief von Thomas vor; der Tod bringt das Lügengebäude zum Einsturz. Die Mutter erleidet am Grab bei der Beerdigung einen Nervenzusammenbruch und  wird in eine Luxusklinik eingewiesen. Normalität kann sich selbstredend nicht wieder von selbst eintreffen.
Schließlich beschließt auch dieses Ehepaar eine Reise nach Igtalien, was dann schon bald als Topos anzusehen ist. Sue wirft zum Schluß ihren Ehering ins Meer und entscheidet sich für sich selbst.
Hier sind wirkliche Dialoge (anders als in 42plus) und vor allem überragende schauspielerische Leistungen von Hanneloren Elsner und Karl Kranzkowski, Wo in dem einen Film alles bedeutend tat, entfaltet sich hier das Drana eher beiläufig.
Ich habe leider den deutschen Film zu lange vernachlässigt, Das soll anders werden. Es kann durchaus sein, dass ich auf sehr viel Schund stoßen werde, aber dann und wann taucht dann doch auch mal eine Perle auf. Und der Name Thome war mir bislang überhaupt nicht geläufig.
8/10
Deshalb heißt der Film so

Sues Welt ist kurz vor dem Zusamenbruch


Saturday, August 15, 2015

3 (2010, Tom Tykwer)

Dies hätte  ein guter Film werden können, aber leider hat es sich Tykwer verbockt - wollte wohl zu smart oder gar intellektuell.
Hanna und Simon leben zusammen, aber dann auch wieder nebeneinander vor sich hin. Dann wird Hanno mit dem Tod konfrontiert, erst als seine Mutter erkrankt und dann stirbt, dann als man bei ihm Testikelkrebs diagnoztiziert. Er wird sofort operiert und will vorher noch Hanna anrufen, die liegt aber gerade mit Adam, einem Polyamourösen im Bett. Ihr Verhältnis kühlt nochmehr ab. Dann trifft Simon Adam im Schwimmbad und lässt sich von diesem befriedigen und es gefällt ihm auch noch. Dann wird Hanna schwanger und findet heraus, dass ihr Freund auch etwas mit Adam laufen hat. Erst gehen alle getrennte Wege, finden ihr Glück aber dann in der Dreisamkeit.
So weit, so gut. Aber, der Film wird mit intellektuellem Gerede aufgemotzt - Hanna ist schließlich Kulturmoderatorin. Oder die tote Muuer erscheint Simon und rezitiert Hesse. Oder es werden Filme zitiert und gewissermaßen optische Ostereier versteckt. Und warumm müssen die Dialoge so genuschelt werden? Die abgelieferten Repliken wurden oftmals so nuschelnd vorgetragen, dass ich mir beinahe Untertitel gewünscht hätte.
Hätte Tykwer mehr mit seinen Personen gearbeitet und sich Mühe gegeben, den Plot plausibler zu machen, dann hätte es ein hervorragender Film werden können. So ist es nur mäßiges Handwrek.
5/10
Zwei plus eins werden ein Paar im Dreierpack.


Thursday, July 16, 2015

Tore tanzt (2013, Kathrin Gebbe)

Und noch ein ziemlich schwer zu ertragender Film: eim Martyrium eines tief religiösen Menschen, der seinen Weg mit bestürzender Konsequenz geht.
Tore ist Mitglied bei den Jesus Freaks. Jesus ist sein bester Buddy. Er trifft Benno, der ihn in seine Familie aufnimmt, doch schon bald zeigt sich, dass Benno nicht der sorgende Familienvater, sondern auch ein vertrunkener Psychotiker.  Benno reizt der naive unerschütterliche Glaube Tores. Je mehr Tore Demütigungen und Misshandlungen erträgt, desto ausgeklügelter werden Bennos Versuche, Torezu demütigen und von seinem Glauben abzubringen.
Gebbe gab an, Dostojewski sei eine Inspiration für diesen Film gewesen. Tore ist auch Epileptiker, ebenso wie Fürst Myschkin. Es ist offenbar noch nicht gelungen, die wahre Begebenheit herauszufinden, auf der dieser Film aufbauen soll. Vielleicht ist es auch egal, ob sich so etwas in der Wirklichkeit abgespeilt hat oder nicht, denn alle Personen sind modellhaft angelegt, etwa in dem Sinn: Was würde geschehen, wenn Jesus heutzutage unter uns wandelte.
Gebbe hat einen interessanten Film abgeliefert; vielleicht nicht ein perfektes Produkt, aber doch ein gutes Gesellenstück. Warum hört man nicht mehr von ihr?
7/10

Tore wird nass gemacht - und das ist erst der Anfang

In Cannes ausgebuht zu werden ist dann auch eine Auszeichnung.

Tuesday, July 7, 2015

Robert und Bertram (1961, Hans Deppe)

Ja, dies  ist eine Belanglosigkeit aus den Aufbaujahren der Bundesrepublik. Was sollte man auch anderes erwarten, wenn Willy Millowitsch und Vico Torriani die Hauptrollen haben. Aber auch eine Banalität sagt etwas über die Mentalitätsgeschichte aus. Was war Unterhaltung mit Breitenwirkung im Jahr 1961?
Robert ist ein Kleinbürger ohne spezifizierten Beruf, dafür aber mit einer resoluten Frau, die ihn finanziell sehr knapp hält. Robert würde aber gerne sein Einkommen auf Kneipenrunden mit seinen Kegelbrüdern gibt. Man hat in diesem Film ein liberales Verhältnis zum Alkohol. Halb betrunken aufzutreten ist keineswegs peinlich oder unakzeptabel.
Seine Frau spart jedoch für ein Eigenheim, das Objekt der Begierde aus dieser Zeit. Ach - Kinder hat dieses Paar nicht. Wie hat die Babyboom-Generation das wohl gesehen?

Robert begibt sich mit dem singenden Karikaturisten Bertram auf eine reklamefinanzierte Wandertour. Dabei kommen sie durch blühende Landschaften und romantische Städte. Hier kommen dann noch Elemente des Heimatfilms hinzu. Landschaften und Schlager strecken die dürftige Handlung auf Spielfilmlänge. Das soll Unterhaltung sein, aber die Witze sind flach und Klischees geben einander die Hand. Bemerken sollte man auch einen Italiener, der sich an alle Berockten heranmacht und belissima bionda schmachtet. Es stellt sich übrigens heraus, dass dieser Italiener Österreicher ist: Klischees sind eben auch austauschbar.
2/10
Es knutscht sich gut im Öko-Heu.