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Thursday, January 1, 2015

Measuring the World (2012) -- a pathetic failure

Daniel Kehlmann is one of Germany's leading authors, not even of the age of 40 he already published a series of modern classics. And there is still no sign that his talent is ebbing out. His elegant style makes the most exquisite literature, a celebration for those who can enjoy his charming irony and chiseled prose. How can this become a good movie?
In the hands of Buck it couldn't. He is mainly known for robust comedies and routine works for TV, so this subtle piece of literature degenerates in the hands of this director. Kehlmann collaborated with the script and he finds an easy solution - he retells the story off-voice.
The novel Die Vermessung der Welt is about two of the greatest scientists of their time, Alexander von Humboldt and Carl Friedrich Gauß. The first one a natural scientist, the other a mathematician.
The visual part is opulent, and relies to a large extent on Humboldt's travel to South America, but then it seems to become like an extended National Geographic biopic. Thus the visual is there for its stylishness and nothing more. And in-between stumble the young actors who try to give their vision of the characters they are supposed to portray; the director doesn't have a vision of the characters either.
There are some brilliant scenes in the film, e.g. when Gauß explains to Humboldt his view on science, but in the whole this is comedy that has turned slapstick.
Remember: only a congenial director can make a successful adaptation from a brilliant book. Detlev Buck is not that director.

Gauß is played by Florian David Fitz. I saw recently his TV-movie Jesus liebt mich (Jeus loves me). I felt intrigued to watch it because of the representation of Doomsday for puppets - but this movie leads nowhere. It is supposed to be about the second coming of Christ and the ensuing apocalypse, but the film doesn't knwo where to move. It is neither provocative, nor entertaining, just like an episode from a never-ending soap. This is the routine thing TV stations provide for unambitious audiences. A film you can easily watch while ironing, chatting on the phone and where it doesn't matter when you fall asleep while it's on the air.

How to make a tabloid version of an elegant book.

Thursday, October 31, 2013

Simon Urban - Plan D

Ja, das ist ein fettleibiges Buch. Kein Schmöker von schlappen 200 Seiten, den man an einem Abend dahinliest, Aber es soll dann doch ein Krimi sein, ein Krimi, der der modischen Haltung nachgibt und meint als Gesellschaftsroman durchzukommen.
Die Gesellschafdt ist die DDR des Jahres 2011. Ja, Krenz hatte gegen Honecker geputscht und dann die Mauer wieder zugemacht. Eine reizvolle Ide und eine gute Gelegenheit, ein kontrafaktisches Geschichtswerk zu klittern. Urban hat dann auch einige nette Einfälle, aber insgesamt verpufft das Ganze, nicht zuletzt deshalb, weil die Schilderung dieser angeblichen DDR zu rhapsodsich geraten ist. Die netten Einfälle verdichten sich nicht zum Gegenentwurf.
Manchmal kommt ein wenig Satire auf, etwa dann wenn sich Frau Honecler als Widerstanskämpfering gegen ihren Erich sieht und laut und falsch Lieder von Wolf Biermann kräht.
Wie die Welt außerhalb der DDR aussehen soll bleibt auch weitestgehend ungeklärt.
Dann sind da seitenlange Beobachtungen und Erwägungen, die allenfalls als Schreibübungen durchgehen können und die dazu beitragen, dass der Roman so aufgebläht ist.
Insgesamt - Ansatz gut, Ausdührung - verbesserungswürdig.
Schade, ich hatte mir mehr von dem Buch versprochen.

Thursday, July 11, 2013

Er ist wieder da (Timur Vermes)

Wie soll man dieses Buch nennen? Verstörend? Witzig? Und was ist es: eine Satire auf die politikverdrossene Mediendemokratie oder gar eine Warnung, dass der Schoß, aus dem das alles einmal gekrochen kam, immer noch fruchtbar ist? Oder etwa ein "Wehret den Anfängen"?
Der Ich-Erzähler heißt Adolf Hitler und wacht im Jahre 2011 ohne Erinnerung an die vergangenen 66 Jahre auf einer Parkbank in Berlin-Mitte auf. (Eine Ausgangssituation also wie beim erwachten Mozart von Baronsky.) Auch hier hat der Wiedererweckte zunächst Probleme, sich in der neuen Zeit zu orientieren. Jedoch findet dieser Hitler jedoch seinen Weg zu den Medien ziemlich rasch, wird von den einen als "widerlicher Komiker", von anderen jedoch als Orakel zelebriert. Nur die Rechtsradikalen mögen ihn nicht, eine Abneigung, die auf Gegenseitigkeit beruht.
Wenn man so will, macht das Buch auch verständlich, wie es dem Original gelang, die Menschen in seinen Bann zu ziehen. DeVermes hat durchaus sympathische Seiten, Charme und Schlagfertigkeit. Allerdings kann die Schlagfertigkeit auch an Schlägertruppen delegiert werden, wenn die eigene nicht mehr ausreicht. Jedenfalls wird die Konsequenz der hitlerschen Tiraden auch im Jahr 2011 nicht als seriös akzeptiert und damit wird auch das boshafte Potenzial belächelt. (Es würde mich schon interessieren, wie der Hitler von Vermes Berlosconi einschätzt.)
Aber davon abgesehen ist das Buch auch eine abenteuerliche Reise durch die Sprache. Der Erzähler beschreibt die moderne Welt mit dem Vokabular der 30-er Jahre. Dabei kommen wunderbare Wortschöpfungen zu Tage.
Hier befindet sich Hitler auf dem Oktoberfest. Er beobachtet dabei dies:
Ein Pärchen versuchte, an einen Litfasssäule gelehnt Zärtlichkeiten auszutauschen. Er intendierte offenbar, ihr die Zunge in den Mund zu schieben, fand diesen jedoch nicht, weil sie nach unten wegglitt, und begnügte sich dann mit ihrer Nase. Sie öffnete, seine Zudringlichkeiten erwidernd, den Mund und rührte mit der Zunge planlos in der Luft. Dann rutschten beide, erst langsam, dann rascher werdensd, der Rundung der Säule folgend zu Boden. Sie lachte dabei kreischend und versuchte etwas zu sagen, konnte sich jedoch wegen fehlender Konsonanten nicht verständlich machen. (S. 344)
So etwas zu lesen bereitet mir ziemliches Vergnügen. 
Den Haarschnitt kennt man such schon wieder.

Sunday, May 27, 2012

Voll Grass - noch'n Gedicht

Ich hatte mich mit der auf Zeilen verteilte Prosa zu befassen, von der Grass glaubte, dass es gesagt werde musste. Jetzt hat der noch'n Gedicht rausgehauen. Dieses Mal muss er seine Ansichten zu Griechenland an die große Glocke hängen. Unzumutbar sei es, den Griechen Sparen zuzumuten. Und Verständnis habe er für die Situation der Griechen. Und Europa solle doch bitte mit der Wiege der Demokratie etwas andächtiger umgehen.
Ja, gewiss kann man Sympathie für die Griechen haben - aber das muss sich nicht auf die Korruption in Staat und Gesellschaft erstrecken, oder doch? (Dann könnte ja auch Berlusconi liebenswert sein.) Nicht nur Demokratie ist ein griechisches Wort: Chaos und Katastrophe kommen auch aus dem Griechischen.
Und da soll dann wohl weiterhin munter Geld in das Land fließen, das man früher mit der Seele suchte, oder was?
Grass ist nun einmal gut im Anprangern und so langsam reicht's mir. Ich habe keine Lust mehr zuzuhören.
Das fing eigentlich schon damals an, als er glaubte, er müsse die Inder über ihre Kultur belehren. Und diesen Strang hat er dann weitergeführt, als er die Mohammed-Karikaturen als Ausgeburt westlicher Überheblichkeit sah. Da hatte sich der Großmeister im ausdauernd Rechthaben dann endlich in "Gottes Scheißhaufen" (so sein O-Ton) gesetzt.
Mittlerweile ist es genug - Günni halt endlich das Maul, sonst wirst du noch vollends zum Ratzinger der Multikulturellen.

Herr Mozart wacht auf (Baronsky)

Eva Baronsky hatte eine hübsche Idee: Was würde passieren wenn Mozart heute lebte - oder überhaupt: wie würde jemand aus dem 18. Jahrhundert heute leben. Handys, Straßenbahnen, fließend Wasser - alles wären unbekannte Größen. Auch die Sprache hat sich verändert - und (wie ein Komponist natürlich bemerkt: die Musik). Da er nun einmal ein Genie im Improvisieren kommt er ziemlich schnell in einem Jazz-Keller unter, indessen sind für seine Klaviersonaten und Konzerte keine Interessenten aufzufinden.
Das alles ist ziemlich amüsant; es ist auch eine Freude den lebenshungrigen Mozart im 21. Jahrhundert zu sehen.
Es war vergnüglich, diesen Roman zu lesen. Natürlich kann so ein Plot immer weiter gehen, deshab muss Baronsky ihn irgend wie zu Ende bringen - und das geschieht in einem kurzen, etwas brüskem und nicht ganz befriedigenden Postludium.
Davon abgesehen war es entspannend, nach längerer Zeit wieder die Muße zur Lektüre zu haben.
Ich hatte zum ersten Mal mit diesem Roman Bekanntschaft gemacht, als er in einer Veranstaltung der Bibliothek anlässlich der Übersetzung von Jacob Jonia vorgestellt wurde. Besonders interessant wurde diese Veranstaltung, weil sie auch noch musikalisch untermalt wurde. Ja doch, Bibliotheken inspirieren mich noch immer.

Wie lebt man als Genie im 21. Jahrhundert?

Saturday, April 28, 2012

Von Ratten und Menschen (Biedermann)

Krimi von Holger Biedermann (2002)
Lange, viel zu lange, hatte ich nicht die Muße Literatur zu lesen, aber jetzt soll sich das ändern. Ich habe dieses Buch aus der Buch genommen, eigentlich nur aus dem Grund, weil es ganz stand und die Handlung versprach, interessant zu sein.
Dies ist Biedermanns ambitionierter Erstling. Vollmundig fragt er mit Adorno, ob man nach dem 11. September noch Cello spielen kann. Ja, sagt er, aber es reicht nicht aus.
Biedermann wühlt in der Gosse

Das Buch kommt als soziale Studie daher. George und Lenny (sie sind natürlich Steinbecks Figuren nachempfunden) sind geschundene Kreaturen, eine schlimme Kindheit hat sie erst ins Heim und von dort in die Kriminalität geführt. Dann geraten sie noch an einen zynischen Sozialarbeiter, der die beiden ausnimmt. Dieser Sozialarbeiter ist mit Kreisen befreundet, in denen Drogen geschmuggelt werden, eine arabische Connection. Und als die Leiche des Sozialarbeiters auch noch am 11. September gefunden wird, scheint der Fall schon halb gelöst zu sein: bestimmt steckt Osama bin Laden dahinter. Dann bemerkt aber selbst Pieter Lund, dass es so nicht sein kann und es stellt sich heraus, dass ein Klüngel braver Biedermänner Erlebnispädagik zu ihrer persönlichen Bereicherung benutzen.
Das ist in etwa die Handlung, wobei nichts verraten wird: es geht nicht darum einen Täter zu ermitteln. Das einzig Spannende ist, wie lange die Polizei braucht, um den Fall zu lösen.
Biedermann versucht dann auch noch, die Globalisierung und 9/11 in diesen Fall zu verweben. Die Botschaft ist wohl, dass die Attentäter so wie George und Lenny in diesem Buch zu den Losern der Weltgesellschaft gehören. Oder wie es auch mal in diesem Buch heißt: Was haben wir nur getan, dass sie uns so hassen. Die typische Heulsusen-Reaktion der Gutmenschen. Der Pamphletteil des Buches ist ziemlich holzschnittartig und die Kriminalintrige schafft es gerade, sich über die Trivialitätsgrenze zu erheben.