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Monday, May 28, 2012

Parsifal in Malmö

Und es begab sich, dass Parsifal gleichzeitig in Kopenhagen und Malmö, der Stadt auf der anderen Seite des Öresunds gegeben wurde. Ich habe es nicht geschafft, die Vorstellung in Kopenhagen zu erleben. Es heißt jedoch, es sei dies ein ausgiebiger Flop gewesen. Auf der Homepage der königlichen Oper fragt man sogar, ob man die Opern nicht vor derlei Vergewaltigungen beschützen kann. Ich habe diese Aufführung nicht gesehen, kann mir also keine Meinung anmaßen.
Ich war jedoch nach Malmö gefahren. Ich hatte zuvor die Übertragung vom schwedischen P2 gehört und fand es war eine gute Aufführung. Leif Segerstam hat mit dem Malmöer Opernorchester sehr gut gearbeitet und die Feinheiten der Partitur ziseliert herausgearbeitet.
Die Inszenierung war ein wenig gewöhnungsbedürftig. Die Prämisse ergab sich erst aus dem Programmheft: um 1880 hat sich eine Gruppe von Menschen mit Interesse für Wagners Werk versammelt. Sie diskutieren eingehend sein letztes Werk. Es wird so zu "Theater im Theater". Stefan Johansson versteht es als "rite de passage". Jedoch wird dieser Ansatz nicht konsequent durchgehalten. Parsifal als älterer Herr und als Kind sehen zu, wie Parsifal der Jüngling sich in Montsalvat herumtreibt. Das führt zu einigen Regie-Einfällen, aber insgesamt kommt Johansson über Einfälle nicht hinaus. Die ziemlich banale Schlussfolgerung ist: nam Ende stehen den Mitwirkenden "verschiedene Möglichkeiten" offen. (Aus diesem Grund trat Klingsor in dieser Inszenierung auch noch einmal im dritten Akt auf und gab sich ein Schattengefecht mit Titurel, so als ob es sich um Fausts Verdammung handelte.)
Thomas Mohr sang den Parsifal, angenehm wortdeutlich und kräftig. Nun ist ja Parsifal fast eine Nebenrolle in diesem Stück. Nach Noten hat wohl Gurnemanz am  meisten zu tun; leider hatte Taras Shtonda oft Probleme mit seiner Stimme über den Orchestergraben hinauszukommen. AnneLouice Lögdlund in der B-Besetzung war jedoch eine vollwertige Suppleanttin - es wirkte, als ob sie ihre Rolle ohne große Anstrengungen bewältigte.
Insgesamt war die Aufführung ein großes Erlebnis - nicht zuletzt dank der großartigen Leistung Segerstams.
Ich habe die Aufführung vom 18. Mai gesehen.
Ceci n'est pas Parsifal ...

Monday, April 23, 2012

La Traviata in Gelsenkirchen

Natürlich - nichts geht über das Erlebnis im Theater, auxh wenn manchmal eine konzertante Aufführung ausreichend gewesen wäre.
Gelsenkirchen hat das Theater im Revier, eine kleine Bühne zwar, aber dennoch mit Ambitionen. Wir waren dort länger als eigentlich geplant, aber selbst eine Stadt wie Gelsenkirchen hat ihre Vorzüge. Den Erzählungen nach ist der Hauptvorteil von Gelsenkirchen, dass man von dort aus schnell wo anders ist.
Dasc Vorspiel wird von der Neuen Philharmonie Westfalen unter dem Dirigenten Rasmus Baumann wunderbar differenziert gespielt. Der Vorhang geht auf und der Chor starrt ins Publikum - wir starren zurück: Voyeuristen unter sich. Die Hälfte der Bühne stellt den Salon der Violetta dar - ist das die Demi-Monde? Das Bühnenbild bleibt kärglich, funktioniert insgesamt aber ganz gut.
Alfredo klingt etwas gepresst, ohne Brillanz. Seine Stimme scheint eher für laute Rollen geeignet zu sein. Die Pressestimmen auf seiner Homepage feiern ihn auch als Tenor des Verismo. (In Parigi o cara zeigt er dann, dass er auch Zwischentöne beherrscht, wenn es denn darauf ankommt.) Alexandra Lubchansky hingegen glänzt in der Rolle der Violetta. Ein Presseausschnit im Foyer berichtet von dem Skandal in Darmstadt, wo sie als Lucia herausgeworfen wurde. Das Theater in Gelsenkirchen kann jedoch froh sein, diese Sängerin verpflichtet zu haben.
Es geht immer wieder um Geld in dieser Inszenierung von Michael Schulz - es regnet Geld. Es wird um Geld gespielt, der alte Gremont bietet Violetta Geld an, Alfredo wirft Violetta das Geld hinterher. Von Finanzkrise keine Spur, aber ein plakativer Regie-Einfall.
Im zweiten Akt war für mich die zweite Neuentdeckung dieses Abends: Günter Papendell als der alte Germont - man kann ebden nicht alles kennen und wissen, wenn man nicht in diesem Kulturraum lebt. Seine schöne, ausdrucksvolle Stimme werde ich gerne wieder hören.
Im letzten Akt verzichtet Schulz ganz auf ein Bühnenbild. Der Chor kommt nach und nach auf die Bühne und schaut Violetta beim Sterben zu, Voyeuristen eben. Wir wusste von Anfang an, dass sie vom Tode gezeichnet ist, auch wenn in dieser Inszenierung sich die Gesellschaft über das Hüsteln der Violetta lustig macht. Ergreifend war das nicht.
Eine karge Inszenierung, die dennoch in sich stimmig ist und nie penetrant wirkt. Zwei Sänger, die den Abend zum Erlebnis werden lassen.
Ich habe die Aufführung am 7. April gesehen.
Gastone findet sich im Abendkleid der Violetta anziehend

Friday, April 20, 2012

Rigoletto in Köln

Osterferien - dieses Mal in Deutschland und Belgien. In Deutschland haben wir zuerst Tankas Freund Manes besucht und an dessen reichlichem Konzertverbrauch teilgenommen. Gleich am ersten Tag abends ins Konzert zu Dvoraks Stabat mater aus der Philharmonie. Und am nächsten Tag, dem Samstag also Rigoletto.
Rigoletto war meine erste Oper - es gab damals von Fabbri aus Italien eine Serie über große Komponisten. In Deutschland wurde das wohl von Bastei/Lübbe herausgegeben. Die Alben hatten LP-Format und als Beilage gab es eine 25-cm-Platte. Das war mein erster Rigoletto. Ich wurde so in den Bann der Oper gezogen. -- Ziemlich bald danach kam Aufnahme aus dem Jahr 1944 mit Rosvænge, Berger, Schlusnus und Hann unter Heger. Das hatte lange Zeit Maßstäbe gesetzt. Auch sonst habe ich diese Oper oft gehört und gesehen - und jetzt also auch in Köln.
Die Inszenierung ist von Katharina Thalbach verantwortet. Man ist ja heutzutage bereits froh, wenn die Inszenierung den Intentionen des Regisseurs nicht zu zehr im Weg steht. Glücklicherweise will Thalbach dem Stück nicht irgend eine Aktualisierung aufpfropfen. Sie begnügt sich im wesentlichen damit, das Stück nachzuerzählen, brav und ohne Biss.
Während des Vorspiels kommt Rigoletto von der Seite und bereitet sich auf einen weiteren öden Arbeitstag am Hof des lüsternen Herzogs von Mantua vor. Dessen Gelage würzt er mit einem riesigem Dildo - aber das ist dann schon beinah der einzig freche Einfall von Thalbach. Das Stück plappert bei ihr so vor sich hin, es wird nie richtig interessant (aber auch nicht langweilig) - die Oper passiert einfach vor gemalten Hintergründen. Man hört, dass die Technik an der Kölner mittlerweile so marode ist, dass man weitestgehend auf sie verzichten muss.
Und so wird denn Rigoletto zu einem Konversationsstück vor wechselnden Tableaus. Selbst am Ende des dritten Aktes als Rigoletto Rache schwört und es im Orchester brodeln sollte bleibt alles brav und beinah bieder. Ja, Rigoletto wirdt einen Stuhl um - was für ein Wutanfall!
Als Rigoletto imponierte stimmmächtig Zeljiko Lucic, den ich so denn auch live erlebt habe. Dmitry Korchak war der sexbesessene Herzog. Er hat einen schönen lyrischen Tenor, der in den Höhe jedoch an Glanz verliert. Yitian Luan verkörperte die Gilda mit Bravour und Ausdrucksfähigkeit. Es ist ein Unterschied, ob eine Sängerin lediglich die Noten absingt oder ob sie auch weiß, was sie denn eigentlich singt.
Mit Dennis Wilgenhof als Sparafucile hörten wir dann auch wenigstens mal ein Ensemblemitglied. Warum Springerstiefel für Sparafucile - ein weiteres amüsantes Detail dieser konzeptlosen Inszenierung. Nino Surguladze war die Maddalena. Ich hatte sie früher bei Radioübertragungen gehört,würde sie aber gerne öfter live erleben.
Kurzum: eine CD hätte auch gereicht.
Gesehen wurde die Vorstellung vom 31. März 2012.
Party am Hof des Herzogs von Mantua