Wednesday, September 25, 2019

Så længe jeg lever (Ole Bornedal, 2018)

Hver gang navnet John Mogensen falder, bliver der nærmest automatisk sagt "den folkekære sanger". Bornedal prøver også at være folkekær, nogle gange nærmest krampagtig. Hvordan kan de to bud om at være folkekær komme sammen i en film?
Hele filmen igennem står den lille John Mogensen (Harald Kaiser Hermann) som sanger i Københavns Drengekor overfor den voksne Mogensen (Rasmus Bjerg). Den unge drengesopran lever for sin kunst. Han får også lov, at optræde på den lokale kro, men der bliver man hurtig træt af ham og sætter en swing plade på. Hans mor trøster den fornærmede dreng foran en ualmindelig kitschet solopgang.
Klip til Mogensens tid i Four Jacks. Ifølge skildringen her gik gruppen fra hinanden, fordi de andre medlemmer ikke kunne leve op til Mogensens kvalitetskrav. I filmen her virker det, som om det kun var en parantes, medens Wikipedia oplyser mig, at gruppen alligevel bestod i 9 år.
Tredje akten beskæftiger sig med Mogensen som Dansktop star. Vi følger rapsodisk hans storhed,  nedgang og død.
Så længe jeg lever er først og fremmest seværdig på grund af Rasmus Bjergs store præstation. Han spiller ikke, han er John Mogensen. Der er i filmen hele vejen igennem møder mellem den unge og den gamle Mogensen. Drengen er en slags alter ego. Disse møder fungerer forbavsende godt. Filmen er ellers som enkelte illustrerede udkast af kapitler til Mogensens biografi. Det er velgjort og pænt. men ikke mere. Fans og kendere af Mogensen vil nyde det. Vi andre kommer ikke John Mogensen nærmere. Vi kan kun overvære, hvordan han bliver alkoholiker, men vi får ingen forklaringer. Man kan gisne, men desværre bliver vi ikke klogere på ham. Hvorfor fik han succes lige i begyndelsen af 70erne? Hvorfor gav hans sange genklang i et større publikum? Bornedals kaleidoskop giver ikke svar.
6/10





Tuesday, September 3, 2019

Ma vraie vie à Rouen (Olivier Ducastel / Jacques Martineau, 2002)

Etienne's mother is a bit worried. She thinks, her son should get hobbies that involve other people. Instead he is skating and filming his family. A movie filmed with a video camera with amateur footage of normal lives sounds like the perfect recipe for 100 minutes worth of yawning, however Ducastel and Martineau manages to get me involved and it is difficult to catch my intention.
While Etienne gets more confident with his camera, he also keeps getting on people's nerve  who don't want to be captured. Etienne hangs out with his best friend Ludovic, but while the latter is interested in the chicks, Etienne all the times backs out. This in spite of his plan to get finally laid. It is always embarrassing for Etienne when someone mentions, that he is a handsome guy and that he should find some girls to hang out with. It doesn't take long until Etienne's real obsession becomes evident - the male body.
Coming of age has been told and will be told many times. To see it through the eyes and the lens of the main character is a bold and successful experiment. Everybody who likes people should see this film.
9)10





















Friday, April 19, 2019

Werk ohne Autor (2018, Florian Henckel von Donnersmarck)

Donnersmarcks zweiter deutschsprachiger Spielfilm wurde mit großer Spannung erwartet. 13 Minuten standing ovation wurden nach der Erstaufführung gemeldet. Nach dem misslungenen Ausflug nach Hollywood kehrt Donnersmarck nun zur deutschen Geschichte zurück.
Nie wegsehen! Das sind die letzten Worte, die Tante Elisabeth dem jungen Kurt zuruft, bevor sie von den Nazis in die Psychiatrie verschleppt und dort schließlich "von ihrem Leiden erlöst wird". Kurt Banert ist als ein begabter Maler und sieht genau hin, zum Beispiel auf die Brüste seiner Tante, die er bereits auswendig nachmalen kann. Nach dem Krieg wird er zunächst Schildermaler, dann aber auf die Akademie geschickt. Dort ist der Sozialistische Realismus die einzige Richtung. Alles, was den Arbeitern dient, wird gemalt. Kurt hat allerdings eine selbständige Stimme. Er verliebt sich in Elisabeth, die frappant seiner ermordeten Tante ähnelt. Kurt weiß jedoch nicht, dass Elisabeths Vater Arzt bei der SS war und seine geliebte Tante in den Tod geschickt hat. Im dritten Akt haben Kurt, Elisabeth und ihre Eltern der DDR den Rücken gekehrt. Kurt findet endlich im kapitalistischen Realismus seine eigene Stimme.
Der Plot lehnt sich an das Leben Gerhard Richters an. Der "unwahrscheinliche Zufall", dass Elisabeths Vater den Tod der Tante zu verantworten ist ist ein nachweisbares biografisches Detail. Das Leben schreibt eben doch die besten Melodramen.
Schon beim kleinen Kurt wird eine erotische Obsession für seine Tante vermutet. Vieles wird mit dem männlichen Blick betrachtet. Immer wieder wieder findet Donnersmarck einen Vorwand, dass sich Elisabeth (Paula Beer - kompetent) ausziehen muss, aber ansonsten erfahren wir nicht so viel über ihr Leben, außer, dass sie zu Hause ist, wenn ihr Mann denn endlich aus dem Atelier zurückkehrt und dass sie sich dann im Bett umherwälzen. Was sie sonst noch an Gemeinsamkeiten haben, erfahren wir nicht.
3 Stunden für gut 30 Jahre deutsche Geschichte ist nicht viel. Zweimal erleben wir Geschichte im Zeitraffer. In einer Art Videoclip wird Dresden bombardiert, wird die Tante in die Gaskammer geführt und sterben ihre Brüder im Krieg. Und das wird auch noch mit süsslicher Händel-Musik unterlegt. Eigentlich müsste man einen Regisseur, der solche Montagen dem Publikum zumutet, verachten.
Dabei ist alles in diesem Film eigentlich groß gedacht. Die Wucht des Materials wälzt den überrollt den Zuschauer, sodass man erst im Rückblick merkt, wie wenig Substanz dieser Film eigentlich hat. Im Zentrum stehen Kurt (Tom Schilling - vom Drehbuch eher unterfordert) und sein diabolischer Schwiegervater (Sebastian Koch). Donnersmarck hat wohl seinem Plot nicht getraut, denn  zu oft ist die Handlung mit Musik zugekleistert.
Donnersmarck will ein komplexes Kunst- und Historiendrama vorlegen. Vor allem die Genese des Künstlers in Westdeutschland ist wenig überzeugend, jedenfalls so nicht nachvollziehbar.
Fazit: großes Kino, doch zu viel Schwachstellen. Mehr Hollywood als Arthouse.
5/10

Tuesday, April 9, 2019

Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm (2018, Joachim Lang)

Jeder weiß,wer Mackie Messer ist. Und jeder kennt den Satz, dass erst das Fressen und dann die Moral kommt. Die Dreigroschenoper ist mithin eines der bekanntesten deutschen Theaterstücke überhaupt. Auf diesen Erfolg anknüpfend wollten Nero-Film und andere Produktionsgesellschaften aus dem Stück einen Film machen. Doch ging ihre Rechnung nicht auf, denn Brecht verschärfte die antikapitalistische Tendenz seines Stückes noch einmal. Die Produzenten schlossen danach Brecht von der Produktion aus.
Joachim Lang hat einen Film über einen Film gemacht. Alles, was Brecht hier sagt ist nachweisbares Zitat. Selbst ein charismatischer Schauspieler wie Lars Eidinger kann nicht immer vermeiden, dass die stets druckreifen Sentenzen doch eben papieren wirken. Schade, eigentlich. Wo bleibt Brecht, der Mensch?
 Joachim Lang, der auch das Drehbuch schrieb weiß zweifelsohne viel, vielleicht sogar alles über Brecht, hat aber das Problem, dieses pralle Wissen zu einer Handlung umzusetzen. Wer von uns hat gerade die Einzelheiten der Dreigroschenoper im Kopf? Deshalb hat das Drehbuch das Problem, dass die Radikalität von Brechts Konzeption eben nur behauptet, aber nicht gezeigt wird. Was wir sehen ist eine plüschige Aufführung, die mehr an Babylon Berlin denn an Brecht denken lässt.
Diese Ebene wird immer wieder durchbrochen, teils durch Einwände der Produzenten, teils durch Spielszenen aus Brechts Biographie (auch diese scheint als bekannt vorausgesetzt zu werden), teils durch Einbeziehung des zeitgenössischen Hintergrunds, vor allem das Aufkommen der Nazis. Irgendwann wird es dann zu viel: der Film ist überfrachtet. Die Szenen aus dem imaginären Film werden vom Ensemble mit großer Hingabe und darstellerischer Freude dargeboten und machen diesen Film dann doch noch sehenswert. Jedoch, das andauernde Auf- und Abbrechen überlasten den Film ohne Not.
Joachim Lang möchte auch, dass wir begreifen, wie aktuell die Botschaft Brechts noch ist. Als Wegelagerer erkannten, dass ihr Berufszweig nicht mehr zeitgemäß war, wurden sie Banker. Das Schlussbild führt uns dann in die Finanzkrise, den käuflichen Politikern und Gerichten und - ach, lass stecken, wir haben es begriffen.
Dies ist ein Film für den Leistungskurs Deutsch. Man nimmt Brechts Stück, seine Aufzeichnungen zum Film, sieht dann Pabsts Film von 1931 und fragt, was der Dichter uns sagen wollte. Lang tut es auch.
4/10

Wednesday, March 13, 2019

Крымский мост. Сделано с любовью! (2018, Tigran Keosayan)

The Crimean Bridge. Made with Love!
Tigran Keosayan is in certain terms quite critical about Russian cinema. He likes good old Soviet-styles comedies and he hates masterpieces like Leviathan.With considerable public funding he made a feel-good film which the Russian state supported as socially useful goals and ensuring public interests and interests of the state. On the other hand the makers declared that this was an unpolitical. Now what? An unpolitical comedy in the interest of the state? Can we really have it both ways?

The film starts in 1945 at the temporary Soviet bridge on the Crimea. Damir and Raya are separated, but they promise each other to see each other at the bridge every year. Leap to present day Crimea. Russia is building the permanent bridge. Tikhon, a journalist and intellectual, as identified by his spectacles is writing an article about the project. He is confused, but also gullible. He thinks there is resistance against the Russian occupation, but this is a misinterpretation. Actually he is denounced as a Ukrainian spy.
The main heroes of this film are "bedhoppers". There goal is to score te hottest chick and never to sleep twice with the same girl. The girls on the side are dreaming of Prince Charming with or without white horse. So an out-worn cliché. It is somewhat chocking that this soup of old vegetables was cooked together by a woman, Margarita Simonyan, the wife of the director. This is her first attempt to write a film script. Small episodes replace a plot. At last all heroes and heroins find their new home. Even Damir finds Raya again. As they embrace on the bridge, we pan out to see the construction.

Even Russian reviews were very negative. Tigran Keosayan called them "sick". He can call me sick, too. The Crimean Bridge appeals to macho humour and in this world are men the only ones who matter. Even worse the glorification of the Stalin era. A film nobody needs.
1/10